La limonaia del Pra de la Fam

Limonaie Pra de la Fam

An der Staatsstraße zwischen Gargnano und Campione liegt am Fuße einer 300 m hohen Steilwand das aus dem 18. Jh. stammende Zitronengewächs- haus "Pra de la fam" (wörtlich: Hungerwiese). 1985 wurde es teilweise von der "Comunità Montana dell'Alto Garda Bresciano" (Natur- schutzkommission des oberen Gardasees) restauriert und wird seither nach den traditionellen Regeln des ortsüblichen Zitronenanbaus in Stand gehalten.

Öffnungszeiten:
Mittwoch 10.00 - 12.00 Uhr.

Sommer:
Mittwoch u. Sonntag 10.00 - 12.00 Uhr,
Freitag 15.00 - 17.00 Uhr.
Der Eintritt ist kostenlos

 


 

Die Zitrone Haeuser

Der Duft von Zitronen : Besichtigung des Zitronengewaechshauses jeden Dienstag ab 10 Uhr
Dem Besucher, der zum ersten Mal am nach Brescia hin gelegenen Ufer des Gardasees ankommt, fällt sogleich die Vielfalt der Bauwerke am Seeufer auf, die sich in Größe und Höhe, weniger jedoch im Stil voneinander unterscheiden und sein besonderes Interesse erwecken. Handelt es sich um ehemalige Festungen, um die Überreste von Wohngebäuden oder um für landwirtschaftliche Zwecke bestimmte Bauten? In jedem Falle lassen sie das gleiche suggestive Bild entstehen wie für fünfzig Jahren oder zu noch früheren Zeiten, als Gargnano und das obere Seeufer sicherlich zu den wenig besuchten Gegenden gehörten.

Das Interesse unseres Erstbesuchers steigert sich, wenn er am Tag nach seiner Ankunft an einem sonnenverwöhnten Morgen mit einem frischen Wind, der sein Haar zerzaust, das gleiche einzigartige Bühnenbild zum Anfassen nahe vor sich sieht.
Nach einigen Schluchten und schmalen, aufsteigenden Treppen steht er dann vor Zitrusplantagen mit Pfeilern, die wie Wachposten wirken, und mit Mauern, die die Windböen des Seeufers unvermutet außen vor lassen, so daß er bemerkt, daß die Sonne hier, zwischen den Mauern, ungleich kräftiger scheint.

Wichtige Voraussetzungen für die Anlage der Zitrusplantagen, im Italienischen als 'Limonaia' und im einheimischen Dialekt als ?ardì bezeichnet, sind die Präsenz eines Wildbaches, ein gut vor Wind geschütztes Tal mit sanft abfallenden Hügeln sowie die Nähe des Sees.
Die auf mehreren Terrassen (Còle) angelegten und über Steintreppen miteinander verbundenen Gärten konnten von recht unterschiedlicher Größe sein. Diese Plantagen wurden an drei Seiten durch massive Mauern geschützt, während die Sonnenaussetzung gegen Ost / Südost gewährleistet war. In der Mitte oder auch an einem der äußeren Bereiche der Gärten lag das sog. 'Casello' (Ca?èl), in dem die Planen und Netze zur Abdeckung der Plantage aufbewahrt wurden.

Das nach hinten abfallende Dach dieses Gebäudes ruhte auf stämmigen, miteinander verschnürten oder mit dem Mauerwerk verankerten Pfeilern aus Kastanienholz mit einem Durchmesser zwischen 30 und 40 cm, die im Italienischen als Sparadossi (Sparadòs) bezeichnet werden; im rechten Winkel zu diesen Stützpfeilern wurden in fünf bis sechs parallel verlaufende Reihen mit Nägeln befestigte Pfähle gesetzt, die 'Cantéri' (Cantér) genannt werden, An den ersten kalten Tagen im November begann man, die Plantage abzudecken; dazu benutzte man für das Dach Holzplanken (As) und für die der Sonne ausgesetzten Bereiche Verschläge aus Holz (Me?ì) oder Glassscheiben (Envédriàe) und Türen (Üsére), die durchnumeriert wurden.

Für die Holzverschläge wurden 3 cm starke, etwa 20 cm breite und 5 ? 6 m lange Bretter aus Tannenholz verwendet. Auf diesen paarweise aneinander gelegten Brettern wurde ein drittes Brett angebracht, und die so gebildete Einheit wurde mit den kleineren Streben der Linie vernagelt. Die Sonnenseite schützte man mit einem aus drei Balken aus Lärchenholz (Filaröle) gebildeten Verschlag, die parallel angebracht und auf drei Höhen in die Pfeiler der Terrasse (Còla) eingesetzt wurden; diese Struktur wurde an einem Ende mit einem eingesetzten Stein (Préa da filaröla) blockiert. Zwischen den Stützpfeilern brachte man in der Regel fünf oder sechs Bretter sowie zwei oder drei Glasscheiben an und setzte zwei Türen ein.

Die 5 ? 7 m langen und 20 ? 25 cm breiten Zwischenverschläge bestanden aus zwei übereinander angebrachten und miteinander vernagelten Holzbrettern, von denen eines schmaler als das andere war und eine Art Anschlag bildete; diese wurden mit den Lärchenholzbalken (Filaröle) mit ca. 10 ? 12 cm langen Pflöcken (Cavicchi bzw. Cavìc' oder auch Biröi) aus Holz verpfropft, die in die Ocèl der Cavìcie eingesetzt wurden.
Die 5 ?7 m langen und 50 cm breiten Glaswände bestanden aus einem Rahmen mit Querstreben aus Tannenholz; sie wurden immer auf an die Holzverschläge (Me?ì) gesetzt und mit kleinen Stäben aus Holz (Paserèle oder Galèc') befestigt, die um einen Nagel gedreht werden konnten.

Die Türen schließlich waren 5 -7 m hoch und etwa 50 cm breit und bestanden aus einfachen, jeweils mit drei Querstreben vernagelten Holztafeln, die zum Öffnen und Schließen mit Türangeln versehen wurden.
Im November mußte die Plantage gut geschützt werden. Um alle Öffnungen zu verschließen (stupinàr), benutzte man getrocknetes Gras (Pàbol), daher die lokale Redensart "A Sànta Caterìna, stüpìna, stüpìna!", die darauf hinweist, daß der Vorgang des Zustopfens am 25. November, dem Tag der Hl. Katharina, abgeschlossen sein mußte.
​Die Zitrone, sowohl die Pflanze als auch die Frucht, leidet, wenn sich die Temperatur auf 0°C zubewegt; in diesem Fall bleibt keine andere Lösung, als auf den Terrassen mit Holzstücken, Laub und Zweigen Feuer anzulegen (fogàr).